Punkbär über Sylt

Punkbär über Sylt

Ich torkle mit großen Schritten durch eine staubige Wüstenlandschaft, manchmal bauen sich klotzige Gebäude neben mir auf, ich eile weiter. Am Horizont blinkt Neonreklame, Land zu verkaufen. Aber es gibt kein Wasser, keine Vegetation, keine Straßen. Da stoße ich auf eine Ansammlung von kreisförmigen Maschendrahtkäfigen. Drinnen liegen dutzende verendete Hühner herum. Sind sie verhungert? Oder schlimmeres? Was hat es mit den gefährlich piepsenden leuchtenden Kästchen auf sich, die neben den Kadavern liegen? Vielleicht ist es besser, das Geheimnis nicht zu lüften. Ich will schleunigst hier weg, an einen schönen Ort. Kurzerhand teleportiere ich mich nach Sylt und lande mitten in den Dünen. Eine kleine Schafherde läuft mir über den Weg, die Sonne strahlt am blauen Himmel, ich höre Möwen kreischen und der Wind raschelt im trockenen Gras. Ein verwitterter Pfeil weist mich zu Sightseeingzwecken über einen sandverwehten Holzbohlenweg in Richtung Meer. Der Strand ist verlassen, ich mache es mir in einem Strandkorb gemütlich und lache ein bisschen vor mich hin. Plötzlich taucht ein kleines braunes Gesichtchen vor mir auf. Überrascht springe ich auf und schwenke mein Blickfeld in alle Richtungen. Da ist er wieder: ein Teddybär mit Propeller schlägt munter steife Saltos in der Luft. Er trägt eine Punkerfrisur und auf dem Rücken prangt das Anarcho-A. Punkbär spricht nicht mir, aber bleibt in meiner Nähe. Mal dreht er seine Runden über den Strand, dann kommt er wieder ganz nahe und streckt seine Tatze nach mir aus. Ich werfe ihm Kusshände zu. Dann beschließe ich, eine Runde über die Insel zu fliegen. Im Hafen finde ich eine einladende Kissenecke mit Wasserpfeife. Ich strecke die Beine aus und lausche dem Knarzen des rostigen Tankers am Kai. Was macht wohl Punkbär mein kleiner niedlicher Freund? Ich werde später nach ihm sehen, ich fühle mich ein bisschen verantwortlich für ihn. Wahrscheinlich ist es lange her, dass jemand mit ihm am Strand gespielt hat.