Zeit ist relativ, das ist nichts Neues. In Second Life jedoch sind Zeit-Räume eine Sache für sich. Zukunft Gegenwart und Vergangenheit taugen hier nicht zur Orientierung in einer fremden Dimension. Ob Sylt oder Brooklyn, die Orte zeugen von vergangenen Aktivitäten und Bauvorhaben mit fortschrittlichen Technologien, von Innovation und Mut zur Utopie. Und doch scheint die Erbauer irgendwann ganz plötzlich ein existenzielles Verzagen erfasst zu haben, fluchtartig verließen sie die Kulisse. Der Verfall und damit der gute alte Lauf der Dinge setzt ein und wieder bleibt nur die Leere in den Straßen und Häusern, an Stränden und in Bars. Oder ist das alles ein Missverständnis? Ist der Verfall bereits angelegt, als Objekteigenschaft, als realistisches Zugeständnis oder als romantische Idee verpixelter Hirne? Leider kann ich niemanden fragen, denn ich bin ganz alleine hier. Da vorne liegt Lind Linden auf der Straße, beziehungsweise dass, was von ihm übrig geblieben ist, nachdem er überfahren worden ist. Die Blutlache sieht noch frisch aus, die halb durchtrennte Leiche auch. Dabei ist das Unglück bereits sieben Monate her. Und wieder stellt sich mir die Frage nach der Zeitlichkeit. Sie wird wohl unbeantwortet bleiben. Hier gibt es so viele Zeitkonzepte, wie es User gibt. Und wer sich entschließt, ein verfallenes Gebäude oder eine marode Brücke zu bauen, kreiert damit Geschichten die von einer nicht existierenden Vergangenheit erzählen.